Prostatakarzinom - Sofortige kombinierte Therapie bei aggressiver Erkrankung

11.06.2019

Aggressive Prostatatumoren mit einem Gleason Score von 9 oder 10 sind zwar für die meisten Todesfälle der Erkrankung verantwortlich, dennoch werden sie oftmals nur zurückhaltend therapiert. In der Regel erfolgt lediglich eine radikale Prostatektomie oder eine externe Radiotherapie, weitere Behandlungen werden erst bei einer erneuten Tumorprogression durchgeführt. 

Inwieweit es Vorteile bzgl. der Mortalität gibt, wenn die genannten Therapien frühzeitig mit einer Androgendeprivation kombiniert werden, wollte ein US-amerikanisches Team um Dr. Anthony d´Amico vom Dana-Farber Cancer Institute in Boston herausfinden. Dazu verglichen die Wissenschaftler die als MaxRT bezeichnete Behandlung – die Kombination einer externen Radiotherapie mit einer Brachytherapie und anschließender Hormontherapie – die am Chicago Prostate Cancer Center durchgeführt wird, mit der MaxRP-Strategie der Martini-Klinik am UKE in Hamburg – die radikale Prostatektomie mit darauffolgender adjuvanter Radiotherapie und Androgentherapie.

Die Langzeitergebnisse von insgesamt 639 Patienten zeigen, dass rund fünf Jahre nach Behandlungsbeginn die prostataspezifische Mortalität (PCSM) sowie die Gesamtmortalität (ACM) beider Vorgehensweisen vergleichbar sind. Die adjustierten Hazard-Ratios für den Vergleich von MaxRP und MaxRT mit 1,33 für PCSM und 0,80 für ACM waren nicht signifikant (95-%-Konfidenzintervall 0,49 bis 3,64 bzw. 0,36 bis 1,81). Zudem legen die Plausibilitätsindizes für die Äquivalenz von 76,75 % für den PCSM-Endpunkt und 77,97 % für ACM die Gleichwertigkeit der beiden Strategien nahe.

Laut d´Amico deuteten die Studienergebnisse darauf hin, bei aggressivem Prostatakrebs die kombinierten Therapien nicht – wie es trotz vorliegender Risikofaktoren für eine Wiederkehr der Erkrankung oftmals der Fall ist – aufzuschieben, sondern frühzeitig durchzuführen. Zudem seien weitere Studien notwendig, um die niedrigen Mortalitätsraten dieser Untersuchung aufgrund der frühen kombinierten Therapie aus Operation, post-operativer Bestrahlung und Androgendeprivation zu bestätigen.

Quellen:

  • Derya T et al., JAMA Oncol. 2019; 5(2): 21320
  • Pressemitteilung des Brigham and Women´s Hospital, Boston (USA), 15. November 2018
  • www.aerzteblatt.de, 16. November 2018