Harnblasenkarzinom – Aktuelles vom EAU-Kongress

13.08.2019

Dass die Allgemeinbevölkerung wenig über Blasenkrebs weiß, hat eine französische Untersuchung mit 12.000 Teilnehmern ergeben (Poster #240). So waren weder die Symptome bekannt, noch wussten die Befragten, dass Tabakkonsum einer der Hauptrisikofaktoren für die Erkrankung ist. Umso wichtiger sei es, so Rouprêt, entsprechende Erhebungen auch in anderen europäischen Ländern durchzuführen und eine intensivere Aufklärung zu betreiben.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat sowohl 1973 als auch 2004/2016 Grading-Systeme zum nicht-muskelinvasiven Blasenkrebs (NMIBC) erstellt. Im Gegensatz zur Leitlinie der American Urological Association (AUA), die nur die neue Klassifikation empfiehlt, verwendet die EAU-Leitlinie beide Systeme. Zum prognostischen Wert der zwei Gradings erhob die EAU im Rahmen einer Studie die individuellen Patientendaten für 5.049 Erstdiagnosen eines Ta/1-NMIBC an 17 Zentren. Es zeigte sich, dass keines der beiden Grading-Systeme ein Rezidiv (43 %), jedoch beide Progression (>T1, 7,5 %), krankheitsspezifisches und Gesamtüberleben voraussagen konnte. Den größten prognostischen Wert hatte Rouprêt zufolge eine Kombination beider Systeme, weshalb die EAU-Empfehlung richtig sei. Entsprechend sollten Ärzte ihre Pathologen bitten, auch beide Ansätze zu testen.

Die Ergebnisse verschiedener Therapiemodalitäten beim lymhknoteninvasiven, muskelinvasiven Blasentumor (MIBC, cN1cM0) analysierten M. Stanik et al. (Poster #610) anhand eines populationsbasierten Krebsregisters. Dabei erzielte die Kombination aller Methoden (radikale Zystektomie, Chemotherapie und Lymphadenektomie) das beste Gesamtüberleben. So stünde es auch in den Leitlinien, sagte Rouprêt. Zum Vorgehen bei limitierter Lymphknotenbeteiligung bei ansonsten lokalisierter Erkrankung bestünde Einigkeit der Experten dahingehend, dass Cisplatin-geeignete Patienten zunächst eine entsprechende Chemotherapie erhalten sollten, bei deren Erfolg eine radikale Zystektomie mit erweiterter Lymphadenektomie (ePLND) folgt. Bei ausbleibendem Erfolg der induktiven Chemotherapie sollte anstatt der OP eine systemische Zweitlinienbehandlung folgen. Wenn möglich sollten Cisplatin-ungeeignete Patienten in eine immunonkologische Studie eingeschlossen werden; bei nur geringer Lymphknotenbeteiligung kann auch eine sofortige Zystektomie mit ePLND angeboten werden. Liegt eine hohe Tumorlast vor, sollte eine Carboplatin-basierte Chemotherapie erwogen werden.

Bezüglich neuer Behandlungen ging Rouprêt auf die mögliche Zielstruktur für immunonkologische Therapien FGFR3 ein. Dazu befänden sich bereits Medikamente in der Entwicklung, fraglich sei jedoch, welche Patienten auf eine solche Therapie ansprechen könnten. Für eine Antwort auf diese Frage werteten L. Mertens et al. (Poster #1074) die Zystektomieresektate von 1.000 chemonaiven Patienten aus neun Kliniken aus. 89 % der Patienten hatten einen Tumor des Stadiums pT2 oder höher. Bei 11 % lag eine FGFR3-Mutation vor, eine FGFR3-Überexpression bei 28 %. P53 war bei 69 % überexprimiert (Cut-off: >10 %). Bei 73 % der Tumoren mit FGFR3-Mutation lag eine Überexpression vor, das war jedoch auch bei 22 % der Wildtyp-Tumoren der Fall. Insgesamt war das Fazit der Analyse, dass eine FGFR3-Mutation – unabhängig von der Expression – eine günstige Prognose bedeutet, eine Überexpression keinen prognostischen Einfluss in FGFR3-Wildtyp-Tumoren hat und eine FGFR3-Mutation mehr als die FGFR3-Expression der Schlüssel zu sein scheint, um Patienten für eine Anti-FGFR3-Therapie zu identifizieren.

Quellen:

  • SouvenirSession, Kongress der European Association of Urology (EAU), 19. März 2019
  • Urologische Nachrichten, 10. April 2019