Harnwegsinfekte - Bei älteren Patienten nicht mit Antibiotika warten

08.08.2019

Ältere Patienten, die bei einem HWI nicht gleich oder gar nicht mit Antibiotika behandelt werden, haben ein erhöhtes Risiko, eine Bakteriämie zu entwickeln oder zu versterben – so das Ergebnis einer Analyse einer Hausarztdatenbank. Dafür wurden von fast 160.000 Patienten im Alter über 65 Jahren HWI-Episoden ausgewertet, die zwischen 2007 und 2015 zumeist klinisch diagnostiziert worden waren.

Von diesen 300.000 Infektionen waren 6,2 % nicht antibiotisch behandelt worden. Bei 7,2 % wurde zwar ein Rezept für ein Antibiotikum ausgestellt, dieses sollte von den Patienten aber nur eingelöst werden, wenn die Symptome schlimmer wurden oder nach sieben Tagen nicht vollständig abgeklungen waren.

Der Analyse zufolge wurde innerhalb von 60 Tagen nach der HWI-Diagnose 1.539-mal eine Bakteriämie festgestellt: Bei den Patienten ohne bzw. mit verzögerter Antibiotikagabe waren dies 2,9 % bzw. 2,2 % der Patienten gegenüber 0,2 % derjenigen, die sofort behandelt wurden. Andere Risikofaktoren berücksichtigt entsprach dies einem acht- bzw. siebenfach erhöhten Infektionsrisiko. Die Number Needed to Harm (NNH) lag bei 37 bzw. 51 – werden so viele Patienten gar nicht oder nicht sofort mit Antibiotika behandelt, ist eine zusätzliche Bakteriämie wahrscheinlich.

Ein weiterer negativer Aspekt der ausbleibenden oder verzögerten Behandlung: Die betroffenen Patienten mussten etwa doppelt so häufig stationär im Krankenhaus versorgt werden als diejenigen, die sofort therapiert wurden (27,0 % bzw. 26,8 % vs. 14,8 %). Und auch die Mortalitätsrate war vor allem in der Gruppe ohne Antibiotikatherapie erhöht. Innerhalb der 60 Tage nach der HWI-Diagnose starben 5,4 % von ihnen, 2,8 % bei verzögerter und 1,6 % bei sofortiger Antibiose. Das entspricht einem erhöhten Sterberisiko um den Faktor 2,2 bzw. 1,2 (NNH 27 und 83). Bei männlichen und sehr viel älteren Patienten (über 85 Jahre) sowie Sozialbenachteiligten war das Infektions- und Sterberisiko besonders hoch.

Laut den Studienautoren sollten daher bei der Gruppe der älteren HWI-Patienten aufgrund ihrer Infektionsanfälligkeit frühzeitig Antibiotika verschrieben und nicht dem wachsenden Druck zur Reduktion unnötiger Antibiotikaverordnungen nachgegeben werden.

Quellen:

  • Gharbi M et al., BMI 2019; 364: I525
  • Ärzte Zeitung online, 5. April 2019