Uro-onkologisches Tumorboard
Prof. Christian Thomas, Dresden und Dr. Andreas Haßler, Berlin
Frühes Hochrisiko-Blasenkarzinom: Zystektomie vs. konservatives Vorgehen
Der vorgestellte Fall demonstrierte, wie heterogen die Vorgehensweisen selbst bei klassischen Hochrisikokonstellationen sind. Die Vorschläge reichten von früher Zystektomie über Nachresektion zur korrekten Staging-Sicherung bis hin zu BCG-Instillation und Re-TURB im Fall einer Persistenz. Es kristallisierte sich heraus, dass auch das CIS-Management immer wieder neu angepasst werden muss.
Hochrisiko-Prostatakarzinom: Stellenwert des PSMA-PET/CT
Unstrittig war bei dem Patienten mit PIRADS-5-Läsion und einem PSA > 21 ng/ml, dass eine moderne Diagnostik – inklusive PSMA-PET-CT – essenziell ist, bevor therapierelevante Entscheidungen getroffen werden. Die Diskussion zeigte aber auch, „dass ein Bildgebungsbefund ohne Korrelation zum Laborbefund hinterfragt werden muss“, so Dr. Andreas Haßler. Die Experten empfahlen, die Ergebnisse der Bildgebung immer kritisch zu überprüfen.
Metastasiertes Urothelkarzinom: Kurativ vs. palliativ
Trotz systemischer Immunchemotherapie blieb die solitäre pulmonale Läsion bei dem vorgestellten Patienten mit muskelinvasivem Blasenkarzinom stabil. Erst nach der operativen Resektion bestätigte sich das Vorliegen einer Metastase. „Nur weil es aussieht wie eine Metastase, muss es keine sein – und auch wenn es nicht aussieht wie eine, kann es trotzdem eine sein“, kommentierte Prof. Christian Thomas. Intensiv wurde diskutiert, ob anschließend kurativ weitertherapiert werden könne.
Peniskarzinom mit inguinalen Lymphknoten: Reaktiv oder metastasiert?
Der Fall zeigte exemplarisch, wie schwierig die Beurteilung postoperativ-reaktiver Veränderungen ist, die zunächst als maligne eingeschätzt wurden. Die erneute Lymphadenektomie mit benigner Histologie bestätigte den hohen Stellenwert der histologischen Sicherung vor jeder Eskalation.
Benigne Prostatahyperplasie bei erhöhtem PSA: Diagnostische Unsicherheit
Der Patient mit PSA 7,77 ng/ml und ausgeprägten Obstruktionsbeschwerden lehnte eine Biopsie ab. Die Symptomatik konnte durch eine transurethrale Resektion der Harnblase (TURB) verbessert, ein Karzinom aber nicht ausgeschlossen werden.

