Der 30. Dresdner Urologentag, der am 7. und 8. November 2025 unter der wiss. Leitung von Prof. Dr. Christian Thomas, Direktor der Urologie am Uniklinikum Dresden, stattfand, bot eine hochkarätige Plattform für den fachlichen Austausch zu aktuellen Entwicklungen der Urologie. Zwölf renommierte Referentinnen und Referenten aus Klinik, Forschung und Praxis präsentierten in Vorträgen und praxisorientierten Workshops neue Erkenntnisse und praxisrelevante Themen aus verschiedenen Bereichen der Urologie.
Die folgende Berichterstattung fasst die zentralen Inhalte und Diskussionen des 30. Dresdner Urologentages zusammen.
Uro-Onkologie
Im Spannungsfeld zwischen Theorie und Praxis
Das Management uro-onkologischer Erkrankungen wird immer differenzierter und komplexer. Klinische Entscheidungen werden daher zunehmend interdisziplinär getroffen. Was dies in der Praxis bedeutet, wurde in spannenden Vorträgen adressiert: Wie lassen sich die neuen Empfehlungen zum Prostatakarzinom im Alltag umsetzen? Inwiefern erleichtert eine präzise Nomenklatur die zytologische Diagnostik beim Harnblasenkarzinom? Und welche Kriterien helfen in Fällen, die in Leitlinien nicht abgebildet sind?
Infektionen bleiben ein Sorgenkind der Medizin: Antibiotikaresistenzen fordern in Deutschland bald so viele Leben wie das Prostatakarzinom. Der Experte berichtete, wie ultraschnelle mikrobiologische Verfahren, neue Diagnosekriterien, immunologische Marker und moderne Biomarker die Diagnostik von Harnwegsinfektionen künftig erleichtern könnten. Therapeutisch sind nur wenige Fortschritte in Sicht.
Raum für sensible Themen Zwei Tabuthemen standen im Mittelpunkt dieser Veranstaltungen: Sexualstörungen der Frau und Infertilität des Mannes. Obwohl weibliche Sexualstörungen häufig sind, finden sie weder in der Forschung noch in der (urologischen) Praxis genügend Beachtung. Kommunikation ist der erste Schritt, um den Frauen wirksam helfen zu können. Ebenso belastet ein unerfüllter Kinderwunsch die Betroffenen erheblich. Im Workshop gab es ein praxisorientiertes Update zum diagnostischen Vorgehen aufseiten des Mannes.
Digitalisierung und künstliche Intelligenz: für einige ein Fortschritt, für andere ein Reizthema. Sich der rasanten Dynamik in diesem Bereich zu entziehen, funktioniert jedoch nicht mehr. Vielmehr geht es darum, diese Entwicklung aktiv mitzugestalten. Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGAs) werden im klinischen Alltag vielfach schon mit Erfolg eingesetzt, etwa beim Prostatakarzinom oder der überaktiven Blase. Ärzte und Patienten profitieren am meisten davon, wenn die App zum Anwender oder zur Anwenderin passt.