Harnwegsinfektionen im Alter

Neu in der Leitlinie: Der geriatrische Patient mit einem unkomplizierten Harnwegsinfekt

Bei der letztjährigen Aktualisierung der S3 Leitlinie zur Epidemiologie, Diagnostik, Therapie, Prävention und Management unkomplizierter, bakterieller, ambulant erworbener Harnwegsinfektionen bei Erwachsenen wurden erstmalig die geriatrischen Patienten als gesonderte Patientengruppe aufgenommen und thematisiert.

Definition der geriatrischen Patientengruppe

Als geriatrisch werden in dieser Leitlinie die Patienten definiert, bei denen eine geriatrietypische Multimorbidität und ein höheres Lebensalter (> 70 Jahre) vorliegen. Unter geriatrietypischer Morbidität versteht man das Vorhandensein von mehr als zwei Systemerkrankungen, die Folgeschäden für Körperfunktionen und -strukturen wie z. B. kognitive Defizite, Sturzneigung, Inkontinenz oder Mangelernährung bedingt haben. Ab einem Alter von über 80 Jahren gehört man unabhängig von Systemerkrankungen und Folgeschäden dieser Gruppe an. Zudem wurden Patienten, die im häuslichen Umfeld oder im Pflegeheim leben, betrachtet.

Für die Diagnostik bei Verdacht auf einen Harnwegsinfekt beschreibt die Leitlinie das folgende gestufte Vorgehen (siehe Tabelle).

Dieses gestufte Vorgehen ist insbesondere der Tatsache geschuldet, dass eine asymptomatische Bakteriurie mit hoher Prävalenz und gelegentlich eine unspezifische und atypische Symptomatik auftreten.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Diagnose einer Harnwegsinfektion nicht allein auf der Basis eines positiven Teststreifens gestellt werden soll (Empfehlungsgrad A). Für die Diagnose sollten neben der harnwegstypischen Symptomatik auch mikrobiologische und laborchemische Befunde sowie eine untypische Beschwerdesymptomatik, die Veränderung der Vigilanz, der Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme herangezogen werden (Expertenkonsens).

Therapie des unkomplizierten Harnwegsinfektes

Eine asymptomatische Bakterieurie soll auch bei geriatrischen Patienten nicht behandelt werden (Empfehlungsgrad A).
Hinsichtlich der Anitbiotikatherapie des unkomplizierten Harnwegsinfektes kann bei geriatrischen Patienten wie bei nicht-geriatrischen Patienten vorgegangen werden, wenn keine weiteren komplizierenden Faktoren vorliegen (Expertenkonsens). Die Therapie der Pyelonephritis bei geriatrischen Patienten wird dagegen in dieser Leitlinie nicht betrachtet.

Rezidivprophylaxe bei geriatrischen Patienten

Die Empfehlungen zur Rezidivprophylaxe bei geriatrischen Frauen entsprechen denen der Frau in der Postmenopause (z. B. lokale Östrogenisierung, Überprüfung Körper- und Intimhygiene). Für die geriatrischen Männer kann aufgrund fehlender Daten keine Aussage getroffen werden, jedoch wird angeregt, dass die Therapie gemäß der komplizierten Harnwegsinfektion erfolgt, um eine eventuelle Prostatitis nicht zu übersehen.

Bei geriatrischen Frauen können für die antibiotische Langzeitprävention Trimethoprim, Trimethoprim/Sulfamethaxazol oder Nitrofurantoin in jeweils niedriger Dosierung und unter Beachtung der Kontraindikationen eingesetzt werden. Eine regelmäßige Überprüfung hinsichtlich unerwünschter Arzneimittelwirkungen wird empfohlen (Empfehlungsgrad 0).

Die Langversion der S3-Leitlinie Epidemiologie, Diagnostik, Therapie, Prävention und Management unkomplizierter, bakterieller, ambulant erworbener Harnwegsinfektionen bei Erwachsenen finden Sie unter diesem Link:

Zur Langversion
Sandra Murgas

Medizinisch‑wissenschaftlich verantwortlich:

Dr. Sandra Murgas

Senior Medical Manager Urologie