Harninkontinenz bei älteren Patienten – was sagt die Leitlinie?

Harninkontinenz bei älteren Patienten – was sagt die Leitlinie? Die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie hat gemeinsam mit anderen Fach­ge­sell­schaften eine wegweisende Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der Harn­in­kon­tinenz bei älteren, multimorbiden Patienten entwickelt.

Die Behandlung der Harninkontinenz bei älteren, multimorbiden Patienten kann zusätzliche Herausforderungen mit sich bringen. Daher hat die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie zusammen mit anderen Fachgesellschaften eine umfassende Leitlinie zur Diagnostik und Therapie erstellt, die im Jahr 2024 ihr jüngstes Update erhielt. Neben dem aktualisierten Stand der Behandlungsempfehlungen ist erstmals ein Kapitel zu psychosomatischen Aspekten der Harninkontinenz bei älteren Menschen enthalten.

Die Basisdiagnostik soll weiterhin eine detaillierte Anamnese, klinische Untersuchungen, Urinuntersuchungen und die Führung eines Miktionstagebuchs umfassen. Eine Restharnbestimmung ist besonders wichtig, vor und während einer eventuellen anticholinergen Medikation. Erweiterte diagnostische Maßnahmen wie Sonographie, Laboruntersuchungen, Röntgenuntersuchungen, Urethrozystoskopie und urodynamische Untersuchungen bieten zusätzliche Einblicke in die Blasenfunktion und den Zustand des Harntraktes und sollen bei therapeutischer Konsequenz und besonders vor operativen Therapien angewendet werden.

Die Therapieansätze sind vielfältig und umfassen Verhaltensinterventionen und den Einsatz von Hilfsmitteln, medikamentöse Behandlungen und operative Verfahren. Die Grundprinzipien der Behandlungssequenz gleichen denen nicht-geriatrischer Patienten, so sollen nicht-invasive Verfahren bevorzugt Anwendung finden. Dazu zählen Verhaltensinterventionen wie Gewichtsabnahme, Flüssigkeitsmanagement, Toilettentraining und Beckenbodentraining. Hilfsmittel wie aufsaugende Vorlagen, Kondomurinale und Betteinlagen bieten zusätzliche Unterstützung. Medikamentöse Therapien beinhalten Anticholinergika (z.B. Propiverin), β-3-Agonisten, Botulinumtoxin und Duloxetin bei Belastungsinkontinenz. Operative Maßnahmen können in schweren Fällen indiziert sein und sind speziell auf männliche bzw. weibliche Bedürfnisse abzustimmen.

Des Weiteren betont die Leitlinie, dass spezialisierte Pflegefachkräfte eine entscheidende Rolle besonders bei der Betreuung von geriatrischen Patienten mit Kontinenzstörungen spielen. Erstmals wurden auch psychosomatische Aspekte wie der Zusammenhang zwischen Harninkontinenz und psychischen Störungen (z.B. Depression und Angst) diskutiert. Da eine Korrelation zwischen psychosomatischen/psychischen Störungen und Miktionsstörungen bzw. Harninkontinenz besteht, empfiehlt die Leitlinie psychogene Komponenten bei der Behandlung der Kontinenzstörungen zu berücksichtigen.

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Quelle:
S2k-Leitlinie Harninkontinenz bei geriatrischen Patienten - Diagnostik und Therapie, Version 7.1, Stand 10.01.2024, register.awmf.org/de/leitlinien/detail/084-001

Anne Uhlemann

Medizinisch‑wissenschaftlich verantwortlich:

Dr. Anne Uhlemann

Medical Manager Urologie