Der geriatrische Patient in der Uro-Onkologie

Menschen höheren Alters sind alltäglich in Ihrer Praxis – sollte man sie als Krebspatienten anders behandeln als jüngere Patienten?

Es ist uns allen klar, die Urologie ist ziemlich alt: Das Durchschnittalter der neu-diagnostizierten Patienten liegt laut Krebsregisterdaten für Patienten mit Harnblasenkarzinom, Nierenzellkarzinom und Prostatakarzinom zwischen 68 - 77 Jahren. Die Prävalenz für Komorbiditäten liegt bei diesen Patienten zwischen 51 % und 54 %1.

Die Behandlung dieser älteren, komorbiden Patienten wird durch Begleiterkrankungen und eine eingeschränkte körperliche Leistungsfähigkeit deutlich komplexer. Die Therapie muss individuell an die Bedingungen des Patienten angepasst werden, um die bestmögliche Lebensqualität und sinnvolle Therapieergebnisse zu erzielen. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Urologen, Onkologen, Geriatern und anderen Fachärzten ist hierbei entscheidend, um eine umfassende Versorgung zu gewährleisten.

Für die Behandlung des Prostatakarzinoms stärkt die deutsche S3-Leitlinie nun sogar das geriatrische Assessment als einen Teil der Entscheidungsgrundlage für bestimmte Therapien, oder eben auch dagegen.

Wie finde ich heraus, ob ein Patient geriatrisch ist?

Definition des „geriatrischen Patienten“ von Fachgesellschaften2

  • höheres Lebensalter (überwiegend 70 Jahre oder älter)
  • Geriatrie-typische Multimorbidität, wobei diese vorrangig vor dem kalendarischen Alter zu sehen ist
  • Alter 80+ auf Grund der alterstypisch erhöhten Vulnerabilität, z. B. wegen des Auftretens von Komplikationen und Folgeerkrankungen, der Gefahr der Chronifizierung sowie des erhöhten Risikos eines Verlustes der Autonomie mit Verschlechterung des Selbsthilfestatus.

Die „I’s“ der Geriatrie3

Häufig auftretende Symptome einer geriatrischen Person:

Wie identifiziere ich einen potenziell geriatrischen Patienten?

Das strukturierte und graduierte Erfassen von Funktionsdefiziten lässt sich über einfache Scoring-Modelle erfassen, wie beispielsweise Screening nach Lachs, ISAR oder G8. Ein einfaches Eingabetool zur Erfassung des G8-Scores finden Sie hier. Für Ihre Patientendokumentation können Sie das Ergebnis in einem pdf-Dokument speichern und der Patientenakte hinzufügen.

Im Folgenden sollte ein Patient mit auffälligem G8-Score vor einer Therapie einem weiteren, umfassenden geriatrischen Assessment zugeführt werden, um mögliche Therapiekonzepte anzupassen und eventuell rehabilitative Konzepte zu erwägen.

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Quellen:
1 Friedrich, C., Krege, S., Wedding, U., Pientka, L. (2007). Uroonkologie beim älteren Patienten. In: Rübben, H. (eds) Uroonkologie. Springer, Berlin, Heidelberg.
2 DGG, DGGG und BVG
3www.dggeriatrie.de/ueber-uns/was-ist-geriatrie

Kerstin Ahrens

Medizinisch‑wissenschaftlich verantwortlich:

Dr. Kerstin Ahrens

Senior Medical Manager Urology